Punda mit der schwimmenden Queen Emma Brücke zum Flaggentag

Der historische Stadtteil Punda in Willemstad ist für mich ein eindrucksvolles Beispiel für die Integrität von kulturellen Werten in einer stetig wachsenden Gemeinschaft. Die vielen farbenfrohen Kolonialhäuser mit ihrer imposanten und bedeutsamen Architektur sind Zeugen der niederländischen Kolonialisierung während des 17. Jahrhunderts. Wie eine karibische Version von Amsterdam wirkt die in den letzten Jahrzenten aufwendig sanierte und restaurierte Hafenstadt. Der Unterstützung durch die „Stichting Monumentenzorg Nederlands Antillen“, der EU, den Niederlanden und der UNESCO ist es zu verdanken, dass die gesamte Altstadt von Willemstad in dem heutigen Glanz erscheint. Innerhalb von etwa 15 Jahren konnte so der Großteil der historischen Stadtteile wiederaufgebaut werden. Das Projekt „Wiederaufbau“ gilt seit dem Jahr 2000 weitestgehend als abgeschlossen.
Folge mir auf einen kleinen Rundgang durch das historische Punda und lass mich dir meine persönlichen 5 Highlights näherbringen.

#1 Queen Emma Brücke

Eines der Wahrzeichen von Willemstad ist, neben der berühmten Handelskade mit ihren bunten Kolonialbauten, die Queen Emma Brücke. Die schwimmende Pontonbrücke verbindet die beiden historischen Stadtteile Punda und Otrabanda. Die im Jahr 1888 erbaute, 171 Meter lange Brücke ist die älteste, am längsten nicht militärisch genutzte Ponton Brücke der Welt. Durch das Wachstum der Stadt sollte es mit der Zeit eine Notwendigkeit werden, eine Brücke über die Sint Annabaai zu errichten. Aufgrund der Städtestruktur war es unmöglich einen traditionellen Übergang zu konstruieren ohne einige historische Gebäude abreißen zu müssen.

Sonnenuntergang von Punda aus-Man sieht einen Teil der Queen Emma Brücke
Punda mit der ablegenden Queen Emma Brücke zum Sonnenuntergang

Die Lösung einer schwimmenden Brücke durch Leonard Burlington Smith sollte stattdessen das Antlitz der Innenstadt erhalten. Wie du auf den Fotos erkennst, schwimmt die brücke auf 16 kleinen Pontonschiffchen. Doch wesshalb ist die Queen Emma Bridge eine schwimmende Brücke und keine fest verbaute wie üblich? Die Lösung ist ganz einfach und gleichermaßen spannend. Angetrieben von zwei Hochleistungsmotoren, ist es möglich, dass die Brücke von der Punda -Seite aus ablegt und in ihrer vollen Länge auf der Seite von Otrabanda anlegen kann. Dies hat zur Folge, dass Schiffen die Einfahrt in die Sint Annabaai gewährt werden kann. Da dies recht häufig der Fall ist, solltest du dir das auf keinen Fall entgehen lassen. Wenn du die Bucht zu der Zeit überqueren möchtest, stehen dir unweit entfernt zwei gebührenfrei Fähren, die so genannten Ponchi, zur Verfügung.

#2 Handelskade in Punda

Von der Queen Emma Brücke aus flanieren wir weiter die Handelskade entlang. Parallel zum Ufer der Sint Annabaai erstrecken sich hier die in wunderschönen Pastelltönen gestrichenen Kolonialbauten wie an einer farbenfrohen Perlenkette. Die Handelskade in Punda zählt ohne Zweifel zu den beliebtesten und meist fotografietesten Wahrzeichen der Insel Curacao.

Der historische Stadtteil Punda in Willemstad-Blick auf die Handelskade und den Floating Market

Am besten überquerst du die Queen Emma Brücke und machst von ihr oder vom Ufer von Otrabanda aus ein wunderschönes Erinnerungsfoto. Einen Spaziergang entlang der Handelskade beginnt bei dem in gelben Tönen gestrichene Penha Haus. Penha. Das im Jahr 1733 fertiggestellte Anwesen nutzt die Familie Penha bereits in der vierten Generation für ihre Geschäftsräume und noch heute steht die “Penha” für Kosmetik, Parfums und Markenmode bekannter Labels. Vorbei an dem berühmten Kaufmannshaus erstrecken sich vor dir zahlreiche gemütliche Cafés und Restaurants, die dich zu kleinen Snacks und erfrischenden Getränken, mit einem wunderschönen Blick auf Otrabanda, einladen.

Heerenstraat in Punda mit dem Penha Haus
Die Handelskade in Punda ist eines de Wahrzeichen von Curacao

Hier kannst du einfach mal die Seele baumeln lassen und das Schauspiel der schwimmenden Queen Emma Brücke, wenn sie den Schiffen die Durchfahrt in den Hafen gewährt, genießen. Wenn du die Handelskade passiert hast, erreichst du am anderen Ende auch schon den Floating Market, dem schwimmenden Markt von Willemstad.

#3 Floating Market

Schwimmende Märkte sind vor allem in Asien weit verbreitet und immer wieder ein Highlight. Dieser Floating Market in Punda ist zwar nicht mit denen in den fernöstlichen Ländern zu vergleichen, hat aber seinen ganz eigenen Charme. Auf etwa 200 Metern Länge erstreckt sich vor die ein Hochgenuss für die Sinne. Und damit meine ich nicht nur den Geschmack, sondern teilweise echtes Entertainment für die Augen und Ohren, gepaart mit einem wissenswerten kulturellen Hintergrund.

Im Floating Markt zu Punda gibt es frisches Obst und Gemüse

Seit etlichen Jahrzehnten haben sich venezuelische Männer auf die Suche nach wirtschaftlichen Chancen außerhalb ihres Landes begeben. Mit ihren kleinen Holzbooten überqueren sie, mit dem Ziel des 80 Kilometer entfernten Hafens von Willemstad, die Karibische See. Es ist eine Tradition die über viele Generationen von den Vätern an ihre Söhne weitergegeben wurde. Nach und nach hat sich eine eingeschworene Gemeinde entlang des Kais in der Innenstadt von Willemstad gebildet. Nur so können die vielen Händler ihre Kultur und Gemeinschaft aufrechterhalten und die Sehnsucht nach ihrer Heimat etwas unterdrücken. Dank dieser venezuelischen Kaufleute, welche bis zu acht Monate am Stück die Strapazen der gefährlichen nächtlichen Überquerung der karibischen See auf sich nehmen, konnte eine dauerhafte Marktkultur bewahrt und die recht trockene Insel mit frischem Obst und Gemüse versorgt werden.

Floating Markt vom Wasser aus-Boote mit frischen Waren in Punda

Von Weitem wirst du bereits die Markthändler hören, wie sie ihre Produkte lautstark den vorbeilaufenden Passanten und natürlich auch dir anpreisen. Probiere doch einfach mal eine der wunderbar reifen Mangos, Bananen, Ananasse, Tomaten und Melonen und genieße den Spaß beim Feilschen um den Preis.

#4 Fort Amsterdam

Nachdem die Niederländer, unter dem Kommando von Johan van Walbeeck, die Insel Curacao im Jahre 1634 von den Spaniern zurückeroberten, musste zum Schutz der Innenstadt eine Festung errichtet werden. Die Mündung der Sint Annabaai war aus strategischer Sicht der optimale Ort für die Errichtung einer solchen Wehranlage.

Eingangsbereich zum Fort Amsterdam in Punda Willemstad
Punda von oben-Blick auf das Fort Amsterdam und das Waterfort

Das im Jahr 1635 errichtete Fort Amsterdam ist das bedeutendste und wichtigste von insgesamt acht Forts auf Curacao. Nach dem Bau des Waterfort, ebenfalls in Punda errichtet, verlor das Fort Amsterdam jedoch seine defensive Bedeutung. In der Anlage befanden sich von nun an die Wohnungen des Direktors der West Indian Company und dessen Truppen sowie die Garnisonskirche, Lager und Wasserreservoirs. Gegenwärtig befinden sich in dem Fort der Gouverneurspalast, die Fort Church mit Museum sowie der Sitz des Ministerrates der Niederländischen Antillen.

#5 Mikvé Israel Synagoge

Die Synagoge wurde durch Pieter Roggenburg erbaut und im Jahre 1732, am Abend des Jüdischen „Passahs“, geheiligt. Seitdem wurde sie ohne Unterbrechung genutzt und ist somit eine der ältesten Synagogen der westlichen Hemisphäre. Von außen wirkt die in Pastellfarben gestrichene Synagoge eher schlicht und unscheinbar, von innen offenbart sie ihre ganze Schönheit. Viele Touristen sind nach dem Betreten des Inneren zunächst über den einzigartigen Boden erstaunt.

Mikve Emanuel Synagoge in Punda, Willemstad

Du wirst dich nicht auf einem gewöhnlichen Stein- oder Marmorboden bewegen, sondern auf Sand. Gründe für den einzigartigen Belag gibt es mehrere. Die portugiesisch-spanische Synagoge wurde nach dem Vorbild des Lagers, welches die Urväter in der Sinai-Wüste während der Wanderung von Ägypten ins Heilige Land aufgeschlagen hatten, erbaut. Ein weiterer Grund ist, dass die Vorfahren Sand in die Räume schütteten in welchen sie Ihre geheimen Gottesdienste abgehalten haben. Dieser spezielle Untergrund sorgte für besonders geräuscharme Schritte. Die Bestrafung für das Abhalten der Gottesdienste reichte von lebenslanger Haft bis hin zur Verbrennung. Heute soll der Sand an das Leid der Vorfahren erinnern. Näheres zu den Hintergründen und zu der Geschichte des Judentums auf Curacao erfährst du in dem angrenzenden Jewish Historical Cultural Museum. Du kannst die Synagoge sowie das Museum von Montag bis Freitag, zwischen neun und halb fünf besichtigen.

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