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Als zu Beginn des 18. Jahrhunderts die ersten Baugenehmigungen für Otrabanda ausgestellt wurden, legte man den Grundstein für eines der schönsten Stadtviertel der Karibik. Im Gegensatz zu dem perfekt organisierten Straßensystem von Punda sind in Otrabanda viele kleine, verwinkelte Gassen vorzufinden. Da es zu damaliger Zeit keine Vorschriften oder einheitlichen Bebauungsplan für die Gestaltung des Stadtteils gab, entstand ein Viertel mit einem einzigartigen, individuellen Stil.

Unzählige kleine Geschäfte, Cafés, Restaurants und Bars laden Gäste aus der ganzen Welt zum Verweilen ein. Mit dem aufwendig restaurierten Kurá Hulanda Areal befindet sich in Otrabanda eines der beeindruckendsten Beispiele der niederländischen Kolonialarchitektur. Der als Luxushotel genutzte Bezirk beherbergt mit dem Kurá Hulanda Museum eine der bedeutendsten kulturhistorischen Sammlungen der Karibik.

In den letzten Jahren entwickelte sich Otrabanda immer mehr zu einem modernen Stadtteil mit zahlreichen Unterhaltungsmöglichkeiten.

#1 Rif Fort

Vielleicht ist dir bereits die Festungsanlage gegenüber der Queen Emma Brücke, auf der Seite von Otrabanda, aufgefallen? An dieser Stelle beginne ich auch mit meinen Top 5 der Sehenswürdigkeiten dieses historischen Stadtteil von Willemstad. Wie eine große Festungsanlage überragt das Rif Fort die Hafeneinfahrt der Sint Annabaai.

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Mit insgesamt 56 Kanonen, einem bombensicheren Mauerwerk, mehreren Baracken und einem Lager für Schießpulver war das im Jahr 1829 errichtete Fort möglichen Angriffen gewappnet. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Befestigungsanlage mit 37mm Maschinengewehren ausgerüstet, direkte Kriegshandlungen gab es im Laufe der Jahrzehnte jedoch nicht. Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts begann die Regierung das Fort nach und nach für andere Zwecke, wie etwa für die Unterbringung staatlicher Institutionen, zu nutzen. Seit der großen Restaurierung im Jahr 2001 befinden sich innerhalb der Festung zahlreiche Modeboutiquen, Bars, Restaurants und Geschäfte.

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Das einzige original erhaltene Gebäude innerhalb des Rif Fort ist ein ehemaliges Wachhaus aus dem Jahr 1840. Es beherbergt derzeit eine Radiostation.

#2 Brionplein

Wenn du das Rif Fort, in Richtung Queen Emma Brücke, verlässt, erreichst du nach wenigen Metern den Brionplein. Unter dem venezuelischen Freiheitskämpfer Simón Bolívar (1783-1830) besiegte der Offizier und spätere Admiral Pedro Luis Brion (1782-1821) zu Beginn des 19. Jahrhunderts, im Kampf um die Unabhängigkeit Venezuelas, die spanischen Belagerer vor der Küste Südamerikas. Zum Gedenken an die Heldentaten befindet sich hier eine Statue des Pedro Luis Brion. Der Brionplein ist vor allem an Nationalfeiertagen, wie dem Flaggentag am 2. Juli, einer der angesagtesten Hotspots der Hauptstadt. Von den eigens für den Anlass errichteten Tribünen aus, können die unzähligen Besucher die einheimischen, in wunderschönen Kostümen gekleideten Tänzern bei der Aufführung ihrer traditionellen Tänze bewundern. Was dich ebenso interessieren wird, ist das in gelben Pastelltönen gestrichene Gebäude, welches die bunte Häuserfront entlang des Brionplein abschließt.

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Der Gebäudekomplex aus dem 18. Jahrhundert besitzt den für diese Zeit typisch rechteckigen Grundkern. Wenn du dem Verlauf des Anwesens folgst und den Molenplein betrittst, kannst du die wunderschöne offene Galerie bestaunen. Typisch für den neoklassischen Stil sind vor allem die gestaffelten Eckpfeiler an der Fassade sowie die Fensterläden mit den halbkreisförmigen Oberlichtern im Unter- und Obergeschoss. Im Jahr 1842 wurde das Bauwerk durch niederländische Franziskaner-Nonnen zur ersten katholischen Schule für Mädchen ernannt. Um das Einkommen zu erhöhen, richtete man ein Internat für katholische Mädchen der mittleren bis höheren Gesellschaftsschichten ein.

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Darüber hinaus ließ der Orden überall auf der Insel Schulen für die untere Gesellschaftsschicht sowie für Sklaven errichten. Innerhalb von nur einem Jahrhundert wurde der Bau am Brionplein stetig erweitert. Er beherbergte fortan ein Kloster, ein Internat, einen Kindergarten, eine Grundschule sowie ein College. Im Jahr 2001 verkauften die Nonnen das komplette Anwesen. Noch heute befindet sich hier das hoch angesehene Sint Martinus College.

#3 Villa Belvédère

Auf dem Leonard B. Smithplein befindet sich die nächste bedeutsame Sehenswürdigkeit von Otrabanda. Das Anwesen wurde im Jahr 1865 durch den Stellvertreter der Majestät, General De Rouville, errichtet. Aufgrund des schlechten Zustandes des Gouverneurspalastes im Fort Amsterdam nutzte der im Jahr 1866 zum Gouverneur ernannte De Rouville die neu erbaute Villa als offizielle Residenz. Bis in das Jahr 1970 hinein sollte das Herrenhaus seine Funktion als Wohnsitz behalten. Anschließend erwarb die Denkmalstiftung von Curaçao das mittlerweile sehr vernachlässigte Gebäude und begann eine aufwendige Restaurierung.

Die Villa ist eines der ersten Bauwerke im neoklassischen Stil des späten 19. Jahrhunderts in Willemstad. Heute erstrahlt das zweigeschossige Gebäude mit dem typisch markant wirkenden, quadratischen Erscheinungsbild in gelben Pastelltönen. Besonders auffällig sind die symmetrische Fassade mit ihren prägnanten, in weiß gehaltenen Steinelementen sowie der Balkon mit den paarweise angeordneten Säulenelementen. Oberhalb der paarweise angeordneten Fenster mit den halbkreisförmigen Oberlichtern können Sie die großen dreieckigen Giebelflächen, die so genannten „Tympanum“ erkennen. Diese architektonischen Elemente werden dabei scheinbar von je drei Säulen getragen. Gekrönt wird das Anwesen durch das mächtig wirkende Gesims unterhalb des Daches. Heute wird das Belvédère als Bürogebäude genutzt.

#4 Kurá Hulanda Museum

Obwohl ich auf meinen Reisen immer wieder gern in ein Museum gehe, um mich mit der Kultur des Landes auseinander zu setzen, ist das Kurá Hulanda Museum auf Curacao immer noch eines meiner bisherigen Highlights auf der Insel und eines der schönsten Museen meiner bisherigen Reiseziele. Natürlich kann man dieses Museum in Willemstad nicht mit dem Louvre in Paris vergleichen. Dennoch hat es einfach einen ganz individuellen Charme und deckt schonungslos einen wichtigen Teil der Geschichte der Insel auf. Das Areal des Kurá Hulanda deckt etwa acht Prozent der Fläche von Otrabanda ab.

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Seit dem 18. Jahrhundert hat sich dieses kleine Viertel stetig erweitert. Das heutige Kurá Hulanda beherbergt neben dem Kurá Hulanda Spa & Casino Otrabanda und dem Museum eine Vielzahl an kleinen Geschäften, Cafés und Restaurants. Jakob Gelt Dekker und seinem Konzept ist es letztendlich zu verdanken, dass das gesamte Areal mit dem Hotel und dem Museum liebevoll restauriert wurde. Ein Teil des im Jahr 1999 eröffneten Museums erzählt die Geschichte der afrikanischen Sklaven, ihrer Kunst und Kultur. Die Verschleppung der in Afrika gefangen genommenen Sklaven hat die Welt für immer verändert.

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Die Geschichte beginnt mit der Gefangennahme der Afrikaner in ihrer Heimat und dem transatlantischen Transport nach Curaçao. In unmittelbarer Nähe des Museums befindet sich der Hafen von Curaçao; hier wurden die Sklaven zusammen mit anderem Schiffsgut wie Ware an den Höchstbietenden verkauft. Das Kurá Hulanda Museum beherbergt auf etwa 160m² die größte Sammlung afrikanischer Kunstgegenstände in der Karibik. Es besteht aus insgesamt 15 Gebäuden und erstreckt sich über mehr als 1.400 Quadratmeter.

# 5 Kurá Agostini

Kurá ist die Bezeichnung für einen großen Hof mit einem zentral platzierten Wohngebäude. In dem von einer Mauer umgebenen Grundstück befinden sich meist mehrere Nebengebäude. Der Begriff Kurá spielt vor allem in Otrabanda eine wichtige Rolle. Historische Gebäude wie das Kurá Sanchi Abou, das Kurá di Shon Ki und vor allem das berühmte Kurá Hulanda tragen diese Bezeichnung in ihrem Namen.

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Das Kurá Agostini befindet sich auf dem De Rouvilleweg, gegenüber der Fähranlegestelle von Otrabanda, direkt an der Sint Annabaai. Am 25. Januar 1737 erwarb Dorothea Brugman das Grundstück von dem ehemaligen Direktor der West Indian Company, Juan Pedro. In den darauffolgenden Jahren wurden mehrere, noch heute erhaltene, Wohnhäuser errichtet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestand das Grundstück aus zwei zweigeschossigen Wohngebäuden, zwei Wasserreservoirs, vier Lagerräumen und einigen kleineren Gebäuden. Im Jahr 1967 verkaufte der damalige Besitzer Jacques Ellis den historischen Komplex an die Stiftung für Denkmalschutz um sicherzugehen, dass das Anwesen für die Zukunft erhalten bleibt.

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Schließlich wurde in den 1970er Jahren mit der Restaurierung begonnen. Obwohl Curaçao außerhalb des Hurrikangürtels liegt, wurde das Anwesen durch den Hurrikan Joan und den daraus resultierenden heftigen Niederschlägen stark beschädigt. Bereits seit dem Jahr 1989 wird das in einem kontrastreichen Rotton angestrichene Haupthaus als gastronomische Einrichtung genutzt. Im Jahr 2001 verkaufte der damalige Eigentümer das Anwesen an die jetzigen Betreiber.

Nach aufwendigen Renovierungsarbeiten wurde der ehemalige Name des Vorgängerunternehmens „West Indies“ in das heutige „Restaurant & Café Gouverneur de Rouville“, kurz „De Gouverneur“, unbenannt. Besonders ansehnlich ist die wunderschöne offene Galerie im Obergeschoss mit den vielen Bogen- und Säulenelementen.

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Nicht nur für mich zählt das Kurá Agostini mit seinem Café und Restaurant “De Gouverneur” zu einem der schönsten und angesagtesten gastronomischen Einrichtungen in Willemstad. Mit einem wunderschönen Blick auf die Handelskade von Punda findest du hier alles für den kleinen und großen Appetit. Zu den qualitativ hochwerten Speisen kannst du einen der vielen erstklassischen Weine bestellen. Aufgrund seiner Beliebtheit, solltest du dir für das Wochenende auf jeden Fall einen schönen Platz mit Blick auf Punda reservieren.

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